…wurde für mich (und viele andere) zur Chaos-Parade, obwohl ich gar nix damit zu tun haben wollte!
Wie schon erwähnt, arbeite ich in einem Restaurant…und dieses befindet sich auf dem Weg zwischen Hauptbahnhof und B1 (ca. 150m vom Bahnhof entfernt).
Ich hatte an diesem besagten 19.07.08 Spätdienst und rechnete mit einem sehr ruhigen Abend (ausser ein paar 1000 Toilettengängern). Die Anfahrt erwies sich schon als sehr beschwerlich… nach einer Stunde erfolglosen Versuchens mit dem Auto meinen Arbeitsplatz zu erreichen, bat ich einen Polizisten doch bitte einen Kegel zu verschieben, damit ich zu diesem Restaurant (ich konnte es ihm zeigen) und somit zur Arbeit kam. Er tat es sofort. Danke!
Der Abend begann, wie erwartet:
Ich hatte nichts Anderes zu tun, als auf die Frage nach den Toiletten, zu antworten:”Vor der Küche rechts.”…und bei einem doch recht häufigen Dankeschön der “Gäste” beim Verlassen unserer Lokalität:”Nicht dafür.” zu sagen. So spielte es sich bis ca. 19:00 Uhr ab. Zwischendurch noch die Geldwechsler für den Zigarettenautomaten und das Tatü Tata der Rettungswagen. Das war alles schon ein bisschen nervig.
Dann plötzlich änderte sich das Tatü Tata und aus den Rettungswagen wurden Polizeiautos…und über uns kreiste der Hubschrauber…und unser Restaurant füllte sich mit (für uns untypischen) Gästen…und jeder wollte ein Taxi…oder ein Hotelzimmer….und Tee, Kaffee usw…..und preiswerte Nahrung….und vor unserer Tür häuften sich die Menschenmassen…
Mit Nahrung und Getränken konnten wir dienen, aber Hotelzimmer und Taxen…unmöglich! Es fuhr nichts mehr…kein Zug, kein Bus, kein Taxi…der Bahnhof war gesperrt…es ging weder vor noch zurück. Bei uns stapelten sich die Menschen…schliefen auf den Tischen…und viele waren einfach verzweifelt…sie wussten nicht wohin…
Ich war einfach schockiert…und niemand da, den man fragen konnte (das für die Love-Parade eingerichtete Bürgertelefon gabs ja nur von 9-18 Uhr)…die Polizisten, das THW…keiner wusste etwas…nur, der Bahnhof ist gesperrt….es geht weder vor noch zurück…
So gegen 24 Uhr schloss unsere Chefin die Tür ab…wir liessen nur noch raus…es war schrecklich…es war arschkalt drausen….
Der Bahnhof war jetzt mittlerweile über 5 Stunden gesperrt….
So gegen 2 Uhr verliessen wir das Restaurant…meine Chefin nahm noch 3 Mädels, die in ihre Richtung mussten mit und ich noch zwei Münchnerinnen, die ihr Hotel in Bochum hatten…Diese waren natürlich schwer enttäuscht und würden nur noch aus einem Grund nach Dortmund kommen:…”, um in ein Restaurant zu gehen, in dem eine supernette Kellnerin arbeitet, die ihnen den Arsch gerettet hat, zu besuchen!” Meine Reaktion darauf war ein dankeschön und die Worte:”Ihr seid nur zwei”…
Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen…sicher waren die Tausenden, die nicht wussten wohin, nur eine Minderheit im Gegensatz zu 1,6 Millionen, aber hätte man nicht wenigstens Tee und Decken verteilen können…ich wag ja gar nicht zu verlangen; dass man hätte so flexibel sein können und Ersatzbusse einsetzen…
Nun war ich gespannt, was die Medien dazu bringen…im Radio und Fernsehen hab ich nichts gehört…in den Ruhrnachrichten ein kleiner Artikel am Rand (Auszüge):
Bahn bleibt Nadelöhr
Der Bahnverkehr bleibt das Nadelöhr bei der Loveparade….mussten viele Raver…in Dortmund zum Teil mehr als eine Stunde vor dem geschlossenen Hauptbahnhof warten. Die Verantwortlichen von Bahn und Verkehrsbund Rhein-Ruhr zeigten sich offiziel zufrieden……
Weiterhin war noch zu lesen, dass ein paar unvernünftige Raver, die wartenden Züge auf offener Strecke verliessen….
…und das wars auch schon…nichts von frierenden Menschen (fast noch Kindern), die verzweifelt waren….keine Live-Kommentare…nein…es war ja ein voller Erfolg…1,6 Millionen….
…aber…schiessen darfst ja nich