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…und bin jetzt seit ner knappen Stunde zu Hause. Ich musste erstmal bei zwei Zigaretten, mit geschlossenen Augen, auf der Couch zu Kräften kommen. Aber dazu später…

Kurz nach 10 verliessen wir unsere Wohnung – die sich in dem Stadtteil befindet, der für den NPD-Aufmarsch auserkoren war – in Richtung Innenstadt. Auf dem Weg dorthin Polizei ohne Ende. Dann die grosse Strassensperre, die die Innenstadt, wo sämtliche Gegendemos stattfanden, von der Aussenwelt trennte. Wir konnten ungehindert passieren und auf die Frage an die Polizei (die ja überall in Massen vertreten war), ob wir später dann auch wieder zurückkommen würden, erhielten wir die positive Antwort, dass es für Anwohner (hatte ja meinen Ausweis dabei) kein Problem gibt.

So kamen wir direkt auf die Sammelstelle der Antifa`s zu…viele junge Leute, aber auch ein wenig-ich nenn es mal-buntes Volk….und ganz viel Polizei…sah aber alles ganz friedlich aus. Wir sind da mitten durch- wobei ich doch ein mächtig flaues Gefühl im Magen hatte, als wir da so langgingen, von stehenden Polizeimotorrädern flankiert, vor uns ein Sixpack, hinter uns auch- weiter zum Dr.-Ruer-Platz.

Dort war es dann schon sehr bunt..von Kindern die ein Banner trugen mit der Aufschrift:”Wir wollen die Welt bunt” bis hin zu einem alten Mann, den ich mir auch gut an einem anderen Tag, bettelnd in der Fussgängerzone vorstellen könnte, mit einer roten Fahne. Es wurden Flyer und Aufkleber verteilt, es war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der zwei multikulturelle Bands ihre Songs zum Besten gaben…..und es war viel weniger Polizei zu sehen.

Wir gingen zurück zu den Antifa`s. Dort wollte sich der Zug gerade in Bewegung setzen, als es stoppte. Den Grund sollten wir dann auch erfahren.Am Ende des Zuges stand eine Gruppe von ca. 10 jungen Menschen, die die israelische Nationalflagge in mehreren Ausführungen dabei hatte. Meine Gedanken dazu waren, dass ich es toll finde und das eigentlich noch viel mehr Flaggen anderer Nationalitäten zu sehen sein müssten.

Wie sich aber herausstellte war eine Auflage der Veranstalter, dass Nationalflaggen verboten seien. Auf die Frage weshalb das denn so wäre, an jemanden, der aussah, als wüsste er Bescheid, erhielten wir die Antwort (ich zitiere aus dem Gedächtnis): “Die kommen immer. Gibt bloss Ärger…und was soll das…Deutsche mit ner israelischen Fahne. Die wollen wir hier nicht haben.” (Hm…da bin ich wohl falsch hier.)

Nach vielem hin und her marschierte der Tross dann los, “umzingelt” von Polizei natürlich und die israelischen Flaggen durften mit Abstand folgen-natürlich auch “umzingelt”. Das sollte wohl bedeuten, dass sie von der Demonstration ausgeschlossen sind.

Wir bewegten uns dazwischen..also in dem “Abstand”…vor uns die Masse durch Polizei von uns getrennt und hinter uns die “israelischen Flaggen” auch durch Polizei von uns getrennt. Irgendwann fiehlen wir auf und ein Polizist machte uns darauf aufmerksam, dass wenn wir an der Demonstration teilnehmen möchten, doch vor die Polizisten gehen müssten…oder wenn nicht, die Strasse verlassen und auf dem Bürgersteig weitergehen…was wir dann auch taten.

So marschierten wir, es ertönte Musik, wovon ich aber das meiste nicht kannte, was ich sehr schade fand, es gibt so viel gute Musik zum Thema, was jeder mitsingen kann, bis wir Hunger hatten und in einen Subway abbogen. Dort sah ich nun die ersten Nazis (2), die mich gar nicht nett anschauten, da ich ja diesen Aufkleber an meiner Tasche hatte.

Aber es blieb bei bösen Blicken.

Am Bahnhof war dann noch ein kleiner Menschenauflauf, wo ich dann auch endlich mal ein Transparent sah, auf dem stand, dass die NPD verboten gehört.

Nun wollten wir zurück nach Hause. Wir kamen an die grosse Strassensperre…und was soll ich sagen…wir durften nicht durch. Im Moment darf hier niemand durch, auch keine Anwohner, war die Aussage des Polizisten…aber wir hatten doch vorher extra gefragt…das kann gut sein…da war die Lage auch noch anders…also mussten wir einen mind. 2 km langen Umweg in Kauf nehmen, wegen ein paar Nazis…das find ich einfach nicht fair…mein erster Gedanke dazu war: Wieso? Ich tu denen doch nix!

Aber was will man tun…also liefen wir…und wir kamen gerade rechtzeitig, um noch was vom NPD-Aufmarsch zu sehen und ich musste mit Erleichterung feststellen, dass es viel weniger waren, als bei den Gegenveranstaltungen. Zuhören durfte man dort natürlich nicht, weil von der Scheisse, die die von sich gegeben haben, wurde einem nur schlecht.

Im Grossen und Ganzen muss ich sagen, dass ich froh und glücklich bin dort gewesen zu sein.

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